...bis es schließlich platzte

March 21, 2014

Wie lange dauert es, bis man sich ans Nichtrauchen gewöhnt hat? Dies ist eine Frage, die sich viele Ex-Raucher stellen.

Gegenfrage: wie lange dauert es, bis man sich daran gewöhnt hat einen Automatikwagen zu fahren, wenn man vorher 30 Jahre lang einen Schaltwagen hatte? Oder wie lange dauert es, bis man sich an eine neue Wohngegend gewöhnt hat.

Die Antwort ist: es kommt drauf an, ob man mit Freude dabei ist, oder nicht. Ist der Schaltwagen schöner als der mit Kupplung? Dann dauert es nicht lang. Vielleicht eine Woche, oder zwei. Maximal drei.

st die neue Wohngegend nicht so schön wie die alte? Dann gewöhnt man sich vielleicht nie daran, sondern trauert dem alten Kiez ewig hinterher.

Genauso ist es auch beim Rauchen. Freut man sich auf das neue Leben als Nichtraucher, erscheint einem dieses erstrebenswert und ist man froh, die Zigarette endlich los zu sein, dann dauert es vielleicht eine Woche, oder zwei, maximal drei, bis man sich ans Nichtrauchen gewöhnt hat. Ist man dagegen traurig und hat das Gefühl, aufs Rauchen verzichten zu müssen, dann steht man nach 20 Jahren immer noch auf der Party neben den Rauchern, versucht etwas vom Rauch einzuatmen und trauert der Kippe hinterher.

Wie schnell neue Gewohnheiten entstehen, hat mir meine Tochter heute eindrucksvoll gezeigt. Sie ist 6 Monate alt. Seit 7 Wochen gehen wir einmal in der Woche zum Babyschwimmen. Dort gibt es ein Begrüßungslied und einen Abschiedsreim. Der Abschiedsreim geht so: “Ein Krokodil, das fraß ganz viel (Schnappbewegungen mit der Hand ins Wasser) , es schlürfte, es schmatzte (die Hand kreist im Wasser), bis es schließlich platze!” – hier klatscht man mit der Hand aufs Wasser, so dass die Kinder nass gespritzt werden.

Heute habe ich den Reim, im Trockenen, in ihrem Kinderzimmer aufgesagt. Bei “bis es schließlich platzte”, schloss sie die Augen, weil sie offensichtlich erwartete, gleich Wasser ins Gesicht zu bekommen. 7 Mal Babyschwimmen, 7 Mal der Reim, die Konditionierung ist perfekt.

Wie schnell man eine Konditionierung wieder lösen kann, habe ich 2012 während meines 5-tägigen Romurlaubs erlebt. Ich ließ nämlich mein Iphone zu Hause. Ähnlich wie früher die Zigarette, ist mein Iphone mit zig Situationen verbunden. Es ist meine Uhr, mein Kalender, mein Telefon, mein Wörterbuch, meine Zerstreuung (Solitär), mein Adressbuch und so weiter. Wie oft ich auf mein Telefon schaue wurde mir klar, als wir das Haus in Richtung Flughafen verließen. Kaum 10 Minuten waren vergangen, da suchte ich auch schon nach dem Telefon, um die Uhrzeit zu checken. Am Flughafen wollte ich im Internet überprüfen, ob das Flugzeug auch pünktlich losfliegen würde, im Flugzeug wollte ich mein Telefon ausschalten.

Alle 10 Minuten suchte ich das Iphone in meiner Tasche, nur um mich nach ein paar Sekunden daran zu erinnern, dass ich es ja zu Hause gelassen hatte.

Die ersten zwei Tage suchte ich noch, dann hatte auch mein Gehirn begriffen, dass das Telefon nicht da war.

So funktioniert also der Mensch. Wir schleifen Gewohnheiten ein, wir lösen sie wieder auf. Je nach Bedarf. Und eine alte Gewohnheit können wir in wenigen Tagen loswerden, wenn wir es mit Freude und der richtigen Einstellung tun. Aber Vorsicht: Wir können uns selbst nichts vormachen. Nach dem Motto: “Haaach, wie schöööööön, dass ich nicht mehr rauche!” und in Wirklichkeit würden wir alles für eine Zigarette tun. Wir müssen es schon ernst meinen. Aber dann funktioniert es ohne Probleme. So ein Rauchstopp macht dann sogar Spaß! Wirklich!

 

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